Heiko Mattausch – Ein Porträt

Wenn man Heiko Mattausch zum ersten Mal begegnet, will keines der gängigen Künstler-Klischees so recht passen. Ein offenes Lachen schallt durch den Raum. Gut gelaunt präsentiert der gebürtige Sachse seine neuesten Werke.

Schon früh hat Heiko Mattausch eine Faszination für urbane Strukturen entwickelt. Es ist nicht zuletzt der Reiz der Proportionen, der ihn nach dem Abitur zum Studium an die HTWK nach Leipzig treibt. Das Architekturdiplom hat er schnell in der Tasche. Es folgende drei Jahre der Praxis, als Grafikdesigner und Architekt in Hamburg. Doch der berufliche Erfolg ist ihm nicht genug. Der innere Wunsch, sich ausführlich mit der Kunst und dem dazugehörigen Handwerk zu beschäftigen, wird übermächtig. Heiko Mattausch zieht es erneut an die Hochschule. Doch noch zweifelt er daran, seinen Lebensunterhalt ausschließlich als Künstler bestreiten zu können. Deswegen studiert er zunächst Lehramt für die Fächer Kunst und Spanisch. Mit den letzten Ersparnissen aus der Zeit in Hamburg fliegt Heiko Mattausch kurze Zeit später nach Andalusien. Sein Plan ist simpel aber ambitioniert: Ein Teilzeitjob als Architekt soll die finanzielle Lebensgrundlage sichern, die freie Zeit in vollem Umfang der Kunst und Malerei gewidmet werden. Der Plan geht auf. Am Fuße der Alhambra findet Heiko Mattausch wonach er sucht. Die beeindruckenden Zeugnisse alter Kulturen, architektonische Vielfalt und die zahlreichen Relikte des Glaubens. Die Zeit im sonnigen Granada wird ihn, nicht nur als Künstler, ganz entscheidend prägen. Er durchstreift den Albaicín, das älteste Viertel der Stadt. Spürt die Magie der arabischen Wurzeln. Fühlt die Macht der Reconquista. Bewegt sich Tag für Tag im Spannungsfeld der verschiedenen Religionen. Die Zeit in Andalusien ist ein Quell der Inspiration. Und sie ist das Ende der faulen Kompromisse.

Zurück in Deutschland macht Mattausch Nägel mit Köpfen. Er geht an die renommierte Hochschule Burg Giebichenstein und studiert dort Malerei und Grafik. Mit dem zweiten Diplom in eben diesem Studiengang schließt er die universitäre Ausbildung ab. Jetzt, da Heiko Mattausch neben den handwerklichen Grundlagen auch über eine solides Wissen der Kunstgeschichte und erste Lebenserfahrung verfügt, muss er den Berufsalltag als Maler meistern. Anfangs fällt das nicht immer leicht. In der neuen alten Heimat Leipzig entstehen die ersten herausragenden Werke. Eines davon ist der Bilderzyklus Membra Jesu nostri. Doch das Malen ist nicht alles. Mattausch weiß, dass er als Künstler auch eine Ein-Mann-Firma ist. Den Momenten der Ruhe im Atelier folgen Verhandlungen mit Galeristen, Gespräche mit Kollegen, Begrüßungsworte auf der Vernissage. Die Vermarktung seiner Werke fordert den jungen Künstler. Doch schnell besinnt er sich auf das, was ihn schon immer ausgezeichnet hat: Er weiß was er will und er weiß was er kann.

Heute beginnen die Tage an der Staffelei und enden nicht selten in einem angeregten Dialog mit Interessenten. Heiko Mattausch konzeptioniert eigene Ausstellungen. Er managt im wahren Wortsinn sein Geschäft und bewahrt sich dabei trotzdem das Refugium der Ruhe, das er zum Malen braucht. Von der Unsicherheit der frühen Jahre ist nichts mehr da. Heiko Mattausch redet gern über seine Werke. Noch viel lieber zeigt er sie. Der Stolz darauf ist ihm durchaus anzumerken. Wieder erschallt ein Lachen im Raum. Natürlich sollen die Bilder Ausdruck seiner eigenen Persönlichkeit sein, sagt Mattausch. Doch für die Empfindungen sei jeder einzelne Betrachter schon selbst verantwortlich. Metaphorisches Geschwafel ist ihm ein Graus. Und doch beschreibt er die Welt in Bildern.

Peter Timmel
Leipzig, 2012