Zufallsbegegnung in Santiago de Compostela

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Random Encounter in Santiago de Compostela - english version below

Santiago de Compostelas gewaltige Sakralarchitektur kannte ich bis dato nur aus Filmen und wollte unbedingt auf eine Visite hin. Wir wurden nicht enttäuscht. Durch die wunderbar engen Gassen drängten wir uns ein wenig angestrengt an anderen Touristen vorbei in ruhigere Ecken. Wir bevorzugen es soweit möglich in das wahre Leben eines Ortes einzutauchen. Der Wahrheit halber muss erwähnt werden, dass Santiago de Compostela von Pilgertouristen überrollt wird. So waren wir glücklich ein Café auf einem kleinen Platz gefunden zu haben in dem neben uns nur Einheimische waren. Wir hatten in der letzten Woche viel gesehen und unter all dem Erlebten sollte besonders eine Begegnung in der Pilgerstadt in Erinnerung bleiben.

Wir hatten uns gerade gesetzt. Die Mittelformatkamera war mir wie fast immer zu groß und umständlich um sie im Rucksack zu verstauen und so lag sie vor uns auf dem Tisch. Vom Nebentisch äugten zwei Kerle auf meine alte Kamera, die mir schon ob ihres auffälligen Kleidungsstils ins Auge gestochen waren. Der Ältere wäre ein gutes Portraitmodell fantasierte ich und grübelt wie ich heimlich ein Foto machen könnte. Auf Spanisch sprach uns der Jüngere auf die Kamera an und ob ich Fotograf wäre. Ich verneinte, umriss kurz meinen Beruf und meine Affinität zur Mittelformatfotografie. Inzwischen stand auch der Ältere daneben, fragte ob er mal sehen könnte. Ich gab sie ihm, gedankenverloren murmelte er una PentaconSix. Ich fragte ihn la conoces also kennst du die? Er kannte das Modell und ich hatte meinen Vorwand ihn später zu fotografieren. Meine Frage bejahte er jedenfalls unkompliziert und schnell. Die beiden gingen an den Nebentisch und wir ausgehungert von längerer Fahrt und Touriwalk durch Santiago de Compostela testeten uns erst einmal die Karte hoch und runter. Am Nebentisch gab inzwischen der Ältere einer Reporterin ein Interview. Ihm gegenüber ein Fotograf mit riesigem Canontele. Wird wohl eine lokale Persönlichkeit sein spekulierte ich. Neugierig waren wir dennoch und so recherchierten wir im Netz. Der Name Alberto García Alix ergab sich aus dem Namen seiner Internetseite, die er mir zuvor gegeben hatte. Dass wir eine Persönlichkeit der spanischen Kulturszene vor uns hatten, wurde schnell klar. Wikipedia notierte, dass García Alix einer der berühmtesten, wenn nicht der bekannteste spanische Fotograf ist. Mit seinen Kameras Hasselblad und Leica portraitierte er Größen der spanischen Peninsula wie den Regisseur Pedro Almodóvar oder den verstorbenen Flamencosänger Camarón de la Isla. Ich musste gleich wieder rüberkucken und war jetzt doppelt heiß ein Foto von ihm zu machen. Das Interview war exakt von der Dauer einer Kaffeelänge und die Aufbruchstimmung nebenan ließ auch meine Kaffeeträgheit schwinden. Ich beeilte mich meine Bitte zu erneuern und los ging´s. Wir gingen ein paar Meter rüber vor eine alte Hauswand. Als ich an meinem Belichtungsmesser anfing herumzustellen fragte er welchen Film ich benutzen würde. Einen Kodak 400 Schwarz-Weissfilm. Aus dem Stand empfahl er mir eine Blende von 5.6 und Belichtungszeit von 1/125 sec. Mein blöde fragender Blick motivierte ihn sich meinen Belichtungsmesser geben zu lassen. Routiniert spielte er daran herum, maß das Licht und zeigte mir das Ergebnis: Exakt das Belichtungspaar, das er mir vorher nannte. Unglaublich rief ich verblüfft. Milde lächelnd meinte er nur: Nicht unglaublich, nur Erfahrung.

We had seen much in the past week but one encounter in Santiago de Compostela should stand out. We had just sat down at a coffee shop and the medium format camera had been to big and cumbersome to put it in my backpack, so it was laying on the table in front of us. Eying my camera from another table, there were two men that had already attracted my attention due to their unique style. The older one would have made a great portrait model. While pondering about how to take a photo of him without him noticing, the younger men came over. While asking about my profession, the older came closer too, asking if he as well could take a look. I handed him the camera over asking La conoces?, Do you know it? He took the camera with a knowing smile, mumbling una PentaconSix. Obviously he was familiar with the model and I took the chance to ask him whether I could take a picture of him. He agreed without further enquiry. They went back to their table what gave us time to browse through the menu.

Meanwhile the older man was recessed into an interview with a reporter that had just come over. Opposite of him sat a photographer with a huge Canon lens. Getting curious we searched his website which he had given us beforehand. According to this website his name is Alberto García Alix. That he was a headliner of Spain’s cultural scene became apparent instantly. According to Wikipedia he was one of the most famous if not the most famous Spanish photographer. He used to use Hasselblad and Leica to portraye celebrates such as the director Pedro Almodóvar or the late flamenco singer Camarón de la Isla. That made me wanting to take a picture of him even more. The Interview was coming to an end as the coffee mugs were empty and an atmosphere of departure spread. I hurried over before they left to take my chance to take my picture. Standing in front of the wall where I wanted to photograph them I started meddling with my light meter. Once I told him that I was using a Kodak 400 black and white film, I was flubbergasted that he advised me - without taking a second to think about it and without using a light meter - to use a aperture of 5.6 and a shutter speed of 1/125 seconds. It took me another minute to check the adjustments with my light meter. And who would have guessed, he was precisely right. Amazing, I said. Whereupon he said smiling: It’s not amazing. it´s a lifetime of experience.